Boilst√§dt

Kirche und Friedhof

Beitrag der Ortschronistin Sabine Ulrich √ľber den Friedhof in Boilst√§dt:

1. Kirche und Kirchhof

Die heutige Kirche wurde 1709 auf den mittelalterlichen Grundmauern des hölzernen Vorgängers St. Quirinus erbaut. Bereits 1748 erfolgten erste Umbauten. Im Inneren besitzt die Kirche nur eine umlaufende Empore, was der zahlenmäßigen Größe der Kirchgemeinde entsprach. Das hölzerne Deckengewölbe wurde als Spiegelgewölbe errichtet.

Der Name St. Quirinus aus p√§pstlicher Zeit wurde nicht beibehalten. Der einweihende Geistliche hielt die Predigt √ľber Genesis 28/17:
 ‚ÄěHier ist nichts anderes denn Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. Die neue Kirche soll k√ľnftighin ‚ÄěDie Himmelspforte‚Äě hei√üen. Diese dem Bibeltext entlehnte Bezeichnung ist als fortw√§hrende Aufforderung an die Kirchgemeine zu verstehen.‚Äú /3/

Zu dieser Zeit befand sich der Friedhof auf dem West- und S√ľdteil des Kirchhofs, bis hin zur heutigen Sundh√§user Stra√üe.

      Abb. 1/ Kirche zur Himmelspforte

 

Zum Turmknopfwechsel 1935 wurden u. a. folgende Zeilen beigef√ľgt:

‚Äě1933: Der alte Kirchhof um die Kirche wurde eingeebnet und g√§rtnerisch hergerichtet, die zerfallene Mauer nach Norden wieder hergestellt. Die sch√∂nen alten Grabsteine bleiben auf dem S√ľdteil erhalten.‚Äú

Leider sind diese im Laufe der Zeit Umgestaltungsmaßnahmen zum Opfer gefallen.

Handschriftlich ist von Fritz H√§hner 1975 vermerkt: ‚Äě‚ĶAuch der Kirchenfriedhof ist 1970 geebnet worden‚Ķ.‚Äú

Der neu angelegte Friedhof in Boilst√§dt befindet sich in s√ľdlicher Ortsrandlage in der heutigen Stra√üe ‚ÄěAm Friedhof‚Äú. Der Beginn der Nutzung als Friedhof ist auf das Jahr 1889 datiert.

Dies geht aus einem Schriftwechsel des Gemeindevorstehers mit dem Herzoglichen Kirchenamt hervor, in dem 1887 die Genehmigung zur Anlegung eines Friedhofes auf dem gemeindeigenen Grundst√ľck am damaligen Uelleber Weg erteilt wurde, mit Vorgabe der Gr√∂√üe von mindestens 12ar, besser 17ar, um dem Bev√∂lkerungszuwachs Rechnung zu tragen. Gleichzeitig wurde die Anlage eines Grabens empfohlen, um das Eindringen von Schichtwasser in die Gr√§ber zu verhindern.

Weiterhin wurde um Anzeige der Fertigstellung gebeten, damit der alte Friedhof um die Kirche geschlossen werden kann.

1888 war die erste Grabanlage fertig gestellt, 1889 wurde der Friedhof mit einer Weißdornhecke umfriedet und im gleichen Jahr erfolgte der Bau der Leichenhalle, zu dem 150 Mark aus Kirchenmitteln bereit gestellt wurden. /5/

 

2. Anlage des Friedhofs

Der Friedhof in Boilst√§dt umfasst eine Fl√§che von ca. 0,5 ha und beinhaltet ausreichend Freifl√§chen zur weiteren Belegung.N√∂rdlich des Friedhofes verl√§uft die Stra√üe ‚ÄěAm Friedhof‚Äú, von der aus der Friedhof durch ein 2-fl√ľgeliges Tor betreten wird.

Gemäß der Anlage 2 der Gothaer Friedhofssatzung ist der Friedhof wie folgt aufgebaut.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf Feld 1 befinden sich ganz am s√ľdlichen Ende die √§ltesten noch erhaltenen Urnengr√§ber, das √§lteste datiert auf 1944. Die weiteren Urnengr√§ber dieses Feldes stammen aus den Jahren 1981-1988, bilden aber keine geschlossenen Reihen mehr.

Feld 2 und 3 beinhalten Urnengräber aus den 1990er und 2000er Jahren.
Links neben Feld 1 ist 2009 eine neue Urnengrab- Anlage begonnen worden.

Feld 5 umfasst den Bereich der Erdbestattungen. Man findet hier z. Z. 19 Wahlgrabanlagen f√ľr Erdbestattungen, das √§lteste datiert auf 1964 und das neueste auf 1994.
Allerdings fanden hier auch später noch Bestattungen statt, aber nur noch Urnenbeisetzungen.

Als Defizit des Friedhofes in Boilstädt ist das seit 1994 bestehende Verbot von Erdbestattungen auf Grund der anstehenden Grund- und Schichtwasserverhältnisse. /1/

Nach Ausf√ľhrungen des damaligen Gemeindepfarrers Bellmann waren die in Vorbereitung der Beisetzungen ausgehobenen Gruben in k√ľrzester Zeit mit Wasser gef√ľllt, so dass die S√§rge von diesem Wasser beim Absenken aufgetrieben wurden.
Eine entsprechende Meldung an die zuständige Stelle bewirkte Probebohrungen an verschiedenen Stellen und das daraufhin ausgesprochene Verbot von Erdbestattungen in Boilstädt.

Seit 2008 ist in Feld 3 eine Urnengemeinschaftsanlage errichtet.
Sie ist f√ľr maximal 10 Urnen ausgelegt, die der Bestimmung nach der Einzelbeisetzung von Urnen unter Anwesenheit der Angeh√∂rigen dienen.

Die Auswahl, Pflege, Gestaltung und Unterhaltung der Grabstätte und des jeweiligen Grabmals obliegt der Friedhofsverwaltung. /2/

 

       Abb. 2/ Urnengemeinschaftsanlage

 

F√ľr die Pflege des Friedhofes gibt es seit 2006 den Friedhofswart im Ehrenamt. Ihm obliegen der Grasschnitt, der Heckenschnitt, die Pflege der Wege und die Aufsicht auf dem Friedhof als Kontaktperson zur Friedhofsverwaltung.

 

 

3. Gedenksteine/ Kriegsgräber

Auf dem Friedhof der Gemeinde Boilst√§dt steht ein Naturstein mit eingelassener Granittafel f√ľr die gefallenen Helden des I. Weltkrieges. Darum ist ein kreisf√∂rmiges Beet angelegt, auf dem am 18. November 2007 ein Gedenkstein f√ľr die Opfer des II. Weltkrieges eingeweiht wurde.

Bei der Tafel f√ľr den ersten Weltkrieg (hinten) ist der Rand mit Eichenbl√§ttern geziert. In der Mitte oben ist das Eiserne Kreuz zu sehen. /4/

 

   Abb. 3/ Ehrenfeld f√ľr die Opfer der zwei Weltkriege

 

 

 

 

 

 

Inschriften:

 Vorderer Stein:

  

Zum Gedenken an die Opfer
des 2. Weltkrieges
1939 ‚Äď 1945
Gemeinde Boilstädt


      

 Hinterer Stein:

Unseren gefallenen Helden
 

Willy Baumbach   04.10.1914

Otto Brand           04.10.1914

Paul Darr              30.12.1914

Kuno H√§hner        09.05.1915

Friedrich St√∂tzer  16.03.1915

Willy Lux              22.07.1915

Willy G√§rtner        23.07.1915

Arthur Wuth          23.08.1915

Hugo Dreisch√§rf  17.09.1915

Emil Schneider     21.11.1915

Hugo Baumbach  20.02.1916

Willy Schramm    16.03.1916

Karl H√∂hn            01.10.1916

Edm. Baumbach  12.04.1917

Karl Kellner         29.08.1918

1914-1918

4. Trauerhalle/ Friedhofskapelle

Im Jahr 2000 wurde die 1889 erbaute Feierhalle nach umfangreichen Sanierungsarbeiten √ľbergeben.

Der niedrige Grundwasserspiegel, eine unzureichende Gr√ľndung und Sch√§den am Dach f√ľhrten zu Setzungserscheinungen des Fu√übodens und Besch√§digungen der Holzfachwerkw√§nde.
Neben Fenstern und Au√üent√ľr wurde der Fu√üboden erneuert.

Die W√§nde wurden gerichtet und Teile des Holzfachwerks erneuert. Sie erhielten au√üen einen neuen Putz und an der Wetterseite eine Verkleidung mit Th√ľringer Schiefer.

 

Abb. 4/ Außenansicht der Trauerhalle

 

Im Innenbereich erfolgte ein neuer Anstrich. Auch ein bisher fehlender Stromanschluss wurde installiert. /1/

Die Friedhofskapelle ist eine Feierhalle und dient nur der Durchf√ľhrung von Trauerfeiern nicht aber der Aufnahme von Leichen bis zur Beerdigung bzw. Ein√§scherung./2/

Die Möblierung und das Anbringen eines Kreuzes im Innenbereich erfolgten durch die Kirchgemeinde.

 

 

 

Abb. 5/ Innenraum der Trauerhalle

 

 

 

 

Quellenverzeichnis:

Literatur:

 /1/ Gothaer Heimatbrief 36/2000; Hsg. Heimatkreis Gotha- Stadt und Land

 /2/ Friedhofssatzung Gotha

 /3/ A. Beck; Geschichte des Gothaischen Landes II, 1975

 /4/ http://www.denkmalprojekt.org

 /5/ Akte 135 (Akten der Gemeinde zu Boilst√§dt/ Friedhof und Leichenhalle)

 

 /6/ www.boilstaedt.de

 

Abbildungen:

 1-3/ Herr Uwe Ulrich

 4-8/ Herr Dr. Schitky

 

 

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